Warum sterben die Leute, wenn es einem zeitlich garnicht passt?
Von Martin am 28. August 2008 |
Meine Großmutter liegt im Krankenhaus und ihr geht es sehr dreckig. Sie hatte schon vorher mit zwei verschiedenen Krebsarten zu kämpfen, vor ein paar Tagen erlitt sie noch dazu ein Nierenversagen. Selbst die Dialyse ist bei ihrem derzeitigen Zustand mit hohen Risiken verbunden und alle rechnen in naher Zukunft mit ihrem Tod. Und das, wo meine Eltern in ihren wohl verdienten Jahresurlaub drei Wochen nach Frankreich wollen. Nun müssen sie im Todesfall zurück zur Beerdigung.
Heute fuhr ich mit meiner Freundin zu Ihren Eltern. Wir wollen in den nächsten Wochen in Bochum eine Wohnung renovieren, wo wir Mitte September einziehen wollen. Heute starb ihr Opa. Eigentlich haben sie seit drei Monaten mit seinem Tod gerechnet, da er das Essen verweigerte und sterben wollte. Nur sein Körper hat sich dagegen gewehrt.
Der Vater meiner Freundin ist als Lehrer auf Kursfahrt in Berlin, ihre Mutter hat Schichten im Krankenhaus und ihr Bruder ist am Wochenende auf einem Festival und hat schon 80 Euro für die Karte ausgegeben. Wir fahren morgen nach Bochum, die Immatrikulation an der Uni abschließen, anschließend zur neuen Wohnung, klären, wann der Mietvertrag unterschrieben wird - ich war die letzten zwei Wochen in Sohland (Sachsen) und habe den Umzug Ende September vorbereitet.
Der Tod ist eine schlimme Sache für die Angehörigen, ein sehr schmerzlicher Verlust, auch wenn ich aus meinem christlichen Glauben heraus denke, dass es ihnen hinterher besser geht. Trotzdem habe ich ein flaues Gefühl wegen meiner Großmutter und irgendwie trifft mich auch der Tod des Opas meiner Freundin - auch wenn ich keinen direkten Bezug zu ihm habe, ich habe ihn nicht kennen gelernt. Ich wurde gefragt, ob ich eventuell zur Beerdigung mitkommen möchte, oder wenigstens mit nach München.
Trotzdem kommen diese Ereignisse sehr ungelegen. Sicher, meistens ist etwas anderes geplant und bei meiner Großmutter ist es nciht sicher. Aber irgendwie ist das, was mich gerade eben beschäftigt, dass der Tod von geliebten Menschen nicht planbar ist. Es stört ungemein. Den finanziellen Aspekt der Reisen will ich garnicht ansprechen. Aber bei der Verwandschaft meiner Freundin ist es gerade sehr schwer, das so einzurichten, dass alle da sind um Abschied zu nehmen. Die eine Tante aus München will das am Samstag machen, da kommt der Vater meiner Freundin aber gerade erst aus Berlin wieder. Die andere wills nicht am Sonntag, weil da was ist und im Laufe der nächsten Woche passt der ersten Tante nicht. Ich für meinen Teil kann mich um die neue Wohnung kümmern, wenn meine Freundin zur Beerdigung ist. Trotzdem käme ich mir seltsam vor, zwei Tage allein im Haus der Familie meiner Freundin zu sein. Besonders, da ich ständig an Sie und ihre Familie denken müsste. Ich weiss noch nicht, was ich tun werde. Da meine Eltern erst Ende September bei meinem Umzug helfen, haben wir etwas Zeit mit der Renovierung. Jedoch kommt direkt nach der Hoffnung, dass meine Großmutter nicht während der Urlaubszeit meiner Eltern stirbt, die Angst, dass sie in der Woche danach stirbt und dann platzt mein Umzug … .
Warum sterben die Leute, wenn es einem zeitlich garnicht passt? …
2 Kommentare
Ich denke, wenn Dir die Person was bedeutet hat, dann ist Dir egal was an diesem Tag sonst anstehen würde. Aber das ist halt immer ein Abwägen…schwierig, mit Sicherheit.
Beispiel, ich heirate ja morgen…wenn da jemand sterben würde, wäre das ebenfalls sehr ungünstig. Keine Ahnung, was ich tun würde.
Sicherlich findet man immer einen Weg. Aber dadurch, dass ich auch als Außenstehender einen solchen Fall betrachten kann, sehe ich das Problem als solches halbwegs objektiv. Wenn mein Umzug durch eine Beerdigung meiner Großmutter verschoben werden muss, finde ich eine Lösung.
Mir fiel nur auf, was wir alles planen und wie wir uns manchmal ärgern, wenn was anderes dazwischen kommt. Und was für uns scheinbar nicht verschiebbar ist usw.. Denn da stellt sich eben die Frage: Was ist mir wirklich wichtig?